Alltägliches

Tod und Trauer in der virtuellen Welt – Wie gehen wir damit um?

Leben und Sterben

Wir alle werden einmal sterben. Das ist gewiss und unumstößlich. Jeder hat einen anderen Umgang mit den Themen, Tod, Sterben und Trauer. So richtig Gedanken will sich darum oft keiner machen. Im virtuellen Zeitalter ist es aber durchaus ratsam, auch digitale Vorsorge zu treffen.

Auch als junger/jüngerer Mensch und Nutzer des Internets mit seinen vielfältigen Möglichkeiten sollte es sinnvoll sein, darüber nachzudenken, auch, wenn das Ende in hoffentlich sehr weiter Ferne liegt. Auch, wenn man sich (eigentlich) mit dem Thema nicht befassen möchte. Nichts desto Trotz kann es einen von jetzt auf gleich erwischen, und daher ist es doch sinnvoll, sein digitales Erbe geregelt zu haben.

Nichts ist gewisser als der Tode, nichts ungewisser als seine Stunde. Anselm von Canterbury

Virtueller Tod und Nachlass

Zu verfügen, was beispielsweise mit all den Accounts und – je nach Nutzerverhalten mehr oder weniger – umfangreichen Daten und Spuren im Internet geschehen soll. Facebook, Twitter, Xing und Co., E-Mail-Konten und… Da kommt schnell einiges zusammen. Was soll damit passieren? Löschen? Bestehen lassen? Wenn wir zu Lebzeiten schon verfügen, wie es laufen soll, ersparen wir zum einen den Angehörigen, sich darum einen Kopf machen zu müssen. Zum anderen erleichtern wir Besuchern, Followern, Freunden den Umgang mit der Trauer. Wie reagiere ich? Darf ich was schreiben? Soll ich den „Friend“ löschen? Ignorieren? Die Freundschaft „kündigen“?

Vorsorge macht ein gutes Gefühl

Was wird mit dem Social Media Profil, wenn man nicht mehr lebt? Wie gesagt, wenige machen sich (gerne) Gedanken um den eigenen Tod. Für jene, die zurückbleiben, wäre es aber sicher leichter, wenn wir Vorsorge träfen. Ich möchte Euch an dem ein oder anderen meiner Gedanken teilhaben lassen. Meine Frau und ich haben schon vor 25 Jahren ein Testament gemacht. Klar war da auch ein Rummeln im Bauch, aber wir sagten uns. Wir werden nicht früher sterben, nur weil wir ein Testament gemacht haben. Es ist aber ein durchaus gutes Gefühl zu wissen, dass wir vorgesorgt haben. Zu der Zeit haben wir uns aber noch keine Gedanken um eine „virtuelle“ Vorsorge machen müssen.

tod-und-trauer-engel-auf-grab

Tabu-Thema Tod auch im Internet tabu?

Das Leben ist nur ein Moment, der Tod ist auch nur einer. Friedrich Schiller

Ich glaube, dass es in den sozialen Medien kein Tabu-Thema ist, sondern vielmehr eine große Unsicherheit herrscht, wie damit umzugehen ist. Man wird eher kein Plus oder like geben auf einem Account eines Verstorbenen (wenn man die Information hat, dass der Accountinhaber verstorben ist). Beim Kommentieren ist es vielleicht anders. Vermutlich würden einige gerne Anteil nehmen. Es verlagert sich immer mehr Leben ins Internet. Das bedeutet, dass in der Konsequenz auch immer mehr online „gestorben“ wird.

Immer öfter liest man Blogs oder andere Webseiten mit Berichten über schwere Krankheiten und deren Verläufe. Es gibt Foren, wo man berichtet. Das mag dem Kranken gut tun, sich mitzuteilen. Es kann der einzige Weg sein nicht alleine zu sein mit der Krankheit. Es kann der einzige Weg sein, Kraft zu schöpfen, Trost zu erfahren. Anderen tut es gut, Anteil nehmen zu können, Trost zu spenden. Für manche sind Blogartikel oder Kommentare möglicherweise gar die einzige Möglichkeit dem Kranken und Verstorbenen nahe sein zu können. Es ist eine Form von Trauerbewältigung, die man meines Erachtens nach auch nicht verurteilen sollte. Nicht jeder findet das gut. Das muss aber auch nicht sein. Es gibt Menschen, die brauchen ein Grab, wo sie hingehen, um dem Toten nahe zu sein. Das findet auch nicht jeder gut.

Virtuelle Trauerarbeit

Man hat heut zu Tage viele Online-Möglichkeiten, um zu trauern. Ob man sie nutzen möchte, da gehen Meinungen sicher auseinander. Auch wenn es um den eigenen Tod, bzw. den eigenen digitalen Nachlass geht, sind Meinungen unterschiedlich. Für einige kommt es nicht in Frage, sich darum zu kümmern, andere wiederum  finden es zu Lebzeiten möglicherweise tröstlich die Erinnerungen an sich selbst lebendig zu halten. Also unvergessen zu bleiben (Das Internet vergisst nie). Wie gehen wir im virtuellen Leben mit dem Tod um? >>klick<<  Gut, dafür muss man sich eben einmal aktiv mit dem Tod und der Sterblichkeit befassen. Verdrängen gilt nicht. Das ist aber nichts anderes wie im realen (Offline) Leben auch, wenn man denn eine Regelung möchte, die seinen Vorstellungen entspricht.

Der digitale Nachlass

Das schönste Denkmal, was ein Mensch bekommen kann, steht im Herzen der Mitmenschen. Albert Schweitzer

Sinnvoll ist es zweifelsohne, sich rechtzeitig darum zu kümmern, was mit unserem digitalen Nachlass passieren soll. Zur eigenen „Beruhigung“ und im Sinne der Hinterbliebenen. Vielleicht weiß der Partner gar nicht, wo man überall registriert ist und einen Account hat. Ich halte es für wichtig, alle nötigen Daten zur Verfügung zu stellen. Hat man selber spezielle Wünsche, kann man diese ja dazu schreiben, oder ein extra „digitales“ Testament machen. Selber weiß man schließlich am besten, ob man seine sozialen Accounts und Seiten bestehen lassen möchte. Ob man sich eine Gedenkseite einrichten lassen will? Wenn nichts gemacht wird, können ja weiterhin Post eingehen.

Was gibt es im Netz dazu?

Wer sich unsicher ist, wie man Vorsorge betreiben kann findet im Netz viele Möglichkeiten, wie etwa: #machtsgut. Da kann man herausfinden, was man über seinen digitalen Nachlass wissen muss. Eine Seite der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V, die vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz gefördert wird. Die Bundesregierung beschreibt auf ihren Seiten auch selbst, wie man „den digitalen Nachlass rechtzeitig regeln“ kann. Auch die Stiftung Warentest behandelt das Thema: Digi­taler Nach­lass: So können Erben Online­konten auflösen. Horst hat sich übrigens auch so seine Gedanken gemacht. Was passiert mit unseren Internet-Accounts, wenn wir gestorben sind?

Und schließlich

Ich für meinen Teil habe auch Vorsorge getroffen, was den digitalen Nachlass angeht. Noch nicht so, wie ich mir das – nach diesem Beitrag – vorstelle, aber grundsätzlich schon. Ich hab eine Übersicht aller Accounts mit den notwendigen Daten (gut deponiert). Das weiß meine Vertrauensperson, die bevollmächtigt ist. Wie gesagt, werde ich nach dem Anstoß hier noch etwas mehr in die Details gehen.

Und wenn du dich getröstet hast, (man tröstet sich immer) wirst du froh sein, mich gekannt zu haben. Du wirst immer mein Freund sein. Du wirst dich daran erinnern, wie gerne du mit mir gelacht hast. Antoine de Saint-Exupéry

Resümierend sag ich mal. Das Thema Tod, Sterben, Nachlass u.s.w. ist längst auch im Internet. Auch über Grabsteine mit QR-Codes hinaus. Es gibt unzählige Gedenkseiten und Online-Friedhöfe. Man muss es nicht alles gut finden, die Möglichkeit, online trauern zu können, finde ich aber grundsätzlich gut. Sie bietet ja auch immobilen Menschen Raum für Anteilnahme.

(Visited 213 times, 1 visits today)

8 Kommentare

  • Hallo Hans,

    Im Hinterkopf habe ich das Thema schon, aber wirklich Vorkehrungen habe ich nicht getroffen. Ich bin ganz ehrlich, das Sterben und Tod lösen in mir eine unglaubliche Traurigkeit aus, aber auch Angst.

    Ich folge einem Blog, diese Frau lebt nicht mehr lange. Mir stehen Tränen in den Augen, wenn ich lese, dass sie fröhlich schreibt, nicht jammert… Wie du siehst, ich kann damit nicht gut umgehen.

    Liebe Grüße, Bee

    • Liebe Bee,
      das Thema hat auch mir lange Angst gemacht. Den großen Schrecken hat es irgendwann mal verloren.

      Ich habe erlebt, wie schwierig es sein kann, wenn jemand nicht vorgesorgt- und etwas schriftlich festgehalten hat und von Angehörigen Entscheidungen erwartet werden, die sie eigentlich – in einer ohnehin schweren Zeit – nicht treffen möchten. Das hat mit dazu beigetragen, möglichst viel zu verfügen.

      GlG
      Hans

  • Hallo Hans,

    an eine Gedenkseite für mich – und sei es im Internet – denke ich nicht. Ich glaube, ich habe viele genug mit meinen Texten genervt. 🙂 Da muss ich ja nicht noch für Gedenktafeln in eigener Sache sorgen. Aber ich werde meine Frau noch genau instruieren, wie sie die ganzen Accounts (jedenfalls auf die es ankommt) löschen kann. Obwohl ich schon oft dran gedacht habe, habe ich es immer noch nicht getan. Mein Testament und selbst eine Patientenverfügung steht auch immer noch aus. Der Schlendrian.

    • Hallo Horst,
      danke für Deinen Kommentar.

      Ich musste mal erleben, wie „brutal“ es ist, wenn einem eine Entscheidung abverlangt wird, weil es keine Patientenverfgung gab. Da hab ich meine direkt nochmal angeschaut und etwas modifiziert.

  • Bis zu Deinem Artikel, habe ich mir noch nie Gedanken darum gemacht, was eigentlich mit meinem „Online Leben“ passieren soll, wenn mein „Reallife“ sich verabschiedet hat.
    Ich finde das ist ein Thema, dass in unserer immer mehr digitalen Welt wirklich wichtig wird.
    Für mich selber habe ich eben entschieden, dass ich alle Spuren löschen lassen möchte.
    Vermutlich wäre es für Angehörige nur unnötig schwer, wenn ständig bei Facebook etc. die Bilder von mir zu sehen sind….

  • Interessant, komischerweise habe auch ich mir noch nie darüber Gedanken gemacht. Schon erstaunlich, wenn man bedenkt, was schon alles Online abläuft und was es dort alles für Daten von einem gibt.
    Ich glaube auch das im Netz zwar etwas offener, aber genauso unsicher damit umgegangen wird. Es ist und bleibt für viele nun mal ein schwieriges Thema.
    Ich persönlich habe den größten Schock des Todes bereits hinter mir – vor Jahren schon starb mein Vater an Krebs. Das hat ein ziemliches Echo gegeben.
    Auf einmal wird einem bewusst wie vergänglich das so „sichere“ Leben ist.

    Nachdenkliche Grüße, Max

Ich freue mich auf und über Kommentare