Alltag

Smartphones und Tablets – einige Gedanken zum Nutzerverhalten

Was wären wir heute ohne Smartphones und Tablets? Die smarten Telefone sind neben Computern und Tablets ein fester Bestandteil in unserem  Alltag. Ob zu Hause, in der Schule, am Arbeitsplatz, auf Feten, in Restaurants und selbst im stillen Örtchen. Das Smartphone ist bei Vielen ein stetiger Begleiter.

Ich mache mir mal ein paar (kritische) Gedanken, ohne pauschal verteufeln zu wollen.

Ich selber nutze natürlich auch ein Smartphone und Tablet, wenn auch mit – mir selbst auferlegten – Regeln. Dieser Tage erreichte mich gegen 24:00 Uhr eine Nachricht bei WhatsApp. Gott sei Dank nichts Wichtiges oder gar Schlimmes. Es gibt zwar drei Gruppen, in denen ich mit vertreten bin, da würde aber um die Zeit wohl niemand etwas es­sen­zi­elles posten. Ich hab aber tatsächlich nachgeschaut, da ich derzeit das Handy auch als Wecker nutze und es daher in Greifweite liegt. Man kann da so schön und einfach mehrere Weckzeiten einstellen.

Ich weiß die Vorzüge der fortschrittlichen Geräte sehr zu schätzen. Schätze es aber auch, mich nicht „rund um die Uhr“ abhängig zu machen von ihnen. Ich möchte nicht grundsätzlich den Tag mit Blick aufs Handy beginnen und nicht abends im Bett noch ein paar Nachrichten checken und schreiben. Ab und an? und ausnahmsweise OK, aber mit dem smarten Phone verwachsen? Nein danke. Ich möchte kein Zittern haben, wenn ich das Telefon mal vergessen habe oder kein Saft drauf ist.

Was wäre der Mensch ohne Telefon! Ein armes Luder. Was aber ist er mit dem Telefon? Ein armes Luder. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)

Dadurch, dass man die Phones überall mit hinnehmen kann, gibt es keine „natürlichen“ Pausen mehr. Gefahr oder Normalität?

Ein paar Zahlen

  • 3 von 4 Deutschen haben ein Smartphone
  • Das Smartphone ist in 2016 mit 66% das meistgenutzte Gerät für den Internetzugang.
  • Nutzer, die auch mit mobilen Geräten online gehen, verbringen täglich 2:43 Stunden im Internet.
  • In 2016 war mit dem Mobiltelefon nahezu jeder 14- bis 49-Jährige online.
  • Bei den 50- bis 69-Jährigen waren es 82%.
  • Immerhin 45% der ab 70-Jährigen nutzen das Smartphone zum surfen im Netz. Quelle:ard-zdf-onlinestudie.de
  • Wir gucken alle 18 Minuten aufs Handy, unterbrechen unser Tätigkeiten.
  • Wir schauen im Schnitt 88 Mal am Tag aufs Handy.
  • 53 Mal davon nutzen wir es dann auch, indem wir eine oder mehrere Apps verwenden.
  • Wir beschäftigen uns durchschnittlich 2,5 Stunden am Tag mit unserem Smartphone. Quelle:www.uni-bonn.de

Wie sehr haben Tablet und Smartphone Einfluss auf uns und unser Leben?

  • Wir wollen etwas nachschlagen? Kein Problem. Wir googlen das zu jeder Zeit an jedem Ort. Gebundene Lexika sind längst aus der Mode.
  • Ein schöner Augenblick? Der muss aber sofort in den sozialen Medien festgehalten und mit der Welt geteilt werden. Natürlich mit dem einen oder anderen Foto.
  • In Bus und Bahn ein Buch oder Nachrichten lesen? Dem Handy sei Dank. Nichts leichter als das.
  • Verabredungen sind schnell getroffen.
  • E-mails kommen in Windeseile an.
  • Eine Nachricht per Whastapp ist schnell verschickt.
  • Wir können mit Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt zu bleiben.
  • Wir werden an den richtigen Ort navigiert.
  • und, und, und…..

Smartphones können unglücklich, abhängig und unproduktiv machen?

Zu dieser Erkenntnis kam 2015 Alexander Markowetz (Uni Bonn) in einer Studie. uni-bonn.de/../195-2015

Neben all dem hellen Licht, dass die smarten Mobiltelefone ausstrahlen, gibt es also auch dunkle Schatten. Smartphones erleichtern uns zwar den Alltag, man sollte aber auch ein gesundes Nutzerverhalten im Blick halten.

Bei unserer Arbeit / Tätigkeit aus dem Fluss zu kommen, macht unzufrieden. Wer dauernd bei der Arbeit u.s.w. unterbrochen wird, braucht natürlich länger für die eigentliche Aufgabe. Die Zahl möglicher Fehler steigt. Wir können uns schlechter konzentrieren. Die Merkfähigkeit nimmt ab. Wir sind weniger leistungsfähig und unproduktiver. Das macht auf lange Sicht keinen Spaß und sicher nicht gerade glücklich. Wer geht nicht gerne in dem auf, was er tut. Wer im „Flow“ bleibt, erfährt eher Zufriedenheit und inneren Einklang.

Die Unterbrechungen können durch Reizüberflutung zur Überforderung des Gehirns führen, weil wir zu viel gleichzeitig machen wollen/müssen. Wir sind eher abgelenkt, gestresst, ungeduldig und unruhig. Wir sind (möglicherweise) unglücklich, weil wir denken, den Aufgaben und Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein.

Gefahr der sozialen Isolation

Junge Menschen mögen etwas gefährdeter sein, sich von der realen Welt zu isolieren, weil sie ständig on sind. Sie bauen virtuelle Kontakte auf und verlieren den realen, sozialen Kontakt zu Menschen. Sie sitzen zu Hause oder anderswo mit dem Tablet oder dem Handy und tauschen, Likes und Kommentare aus. Folgen diesem und jenen. Den Menschen, der dabei sitzt,  nehmen sie kaum wahr. Nach draußen gehen, frische Luft tanken, spielen, balgen, Späßkes haben mit echten Freunden? Oft Fehlanzeige. Sie sind fest im Griff digitaler Medien. Face-to Face Gespräche sind rar.

Seitdem wir Mails und Messages verschicken, seitdem wir uns bei Skype und Facebook und Co tummeln, lesen wir voneinander und quasseln mehr. Weil wir uns aber vieles nicht mehr sagen müssen, haben wir uns möglicherweise weniger zu sagen.

Benehmen, Respekt, Wertschätzung

Ich war mal auf einem 18ten Geburtstag eingeladen, auf dem auch reale Freunde / Schulkameraden waren. Es mögen so 8 – 10 gewesen sein. Irgendwann saßen echt alle am Tisch mit dem Handy in der Hand. Das fand ich doch extrem schräg. Die älteren Gäste fanden es teils auch unhöflich. Eine Einladung dient doch eigentlich dazu, sich mit den anwesenden Gästen zu unterhalten. Ich finde es auch im digitalen Zeitalter nicht sehr nett und wenig wertschätzend den anderen gegenüber, sich mit dem Handy zu befassen. Mir ist der (reale) Mensch immer wichtiger ist als (m)ein technisches Gerät. Ich möchte dem Menschen – durch ständiges schielen aus Handy – kein Desinteresse signalisieren.

Bus und Bahn

Ob Bus oder Bahn, viele Fahrgäste interessiert es nicht, was andere mit ihrem Gesprächspartner am Telefon zu klären haben. Es nervt. Gerade auch dann, wenn es sehr strittige, laute und längere Telefonate sind. Lässt sich ein Telefonat nicht vermeiden, sollte man sich kurz halten und/oder einen Zeitpunkt für die Unterhaltung ausmachen.

Fotos ohne Nachfrage

Wir haben heute ja immer eine Kamera dabei. Das bietet Chancen, von jemanden Bilder zu machen. Das können Fotos sein, die man lieber nicht in sozialen Netzwerken sieht. Sei es, weil sie in „unglücklichen“ Situationen, oder in nicht vorzeigbarer Verfassung aufgenommen wurden. Sprich: Niemand möchte ein Foto im Internet wissen, auf dem man beispielsweise sturzbetrunken abgelichtet ist. Nicht nur des guten Benehmens wegen, empfiehlt es sich, zu fragen bevor man ein Foto von einer Person in ein öffentliches Netzwerk stellt. Jeder darf selbst entscheiden, welche Schnappschüsse von ihm im Internet sind. Das ist sogar gesetzlich geregelt.

Übrigens: Nomophobie („No-Mobile-Phone-Phobia“) („Kein-Mobiltelefon-Angst“). bezeichnet die Angst, ohne Mobiltelefon unerreichbar für soziale und geschäftliche Kontakte zu sein.

Natürlich gibt es viele Situationen, wo die Nutzung des Smartphones – trotz Gespräches mit Menschen –  wichtig ist. Diese Situationen sollte und wird ein Gesprächspartner akzeptieren. Es ist aber ratsam, ihn darüber, was los ist, zu informieren.

Die Generation, die mit dem Internet und den Hosentaschen-PC´s aufwächst, lernt es von klein auf als selbstverständlich kennen. Wir sind quasi schon smartphonisiert. Das Internet ist immer und überall. Vielleicht sind meine Gedanken daher etwas zu „oldschool“ mit einer Spur zu viel Sorge!?

Fazit

Ich schau meine Frau öfter an, als mein smartes Phone. Daher alles im grünen Bereich. 😉

Ich brauche aber durchaus öfter den Einblick auch auf Notizen und Unterlagen (gerade auch im gesundheitlichen Bereich). Da ist es sehr praktisch jederzeit zugreifen zu können. Das ginge natürlich auch über Papier, aber weniger komfortabel. Ich schätze also mein digitales Büro. Auch sonst gestaltet mir das Phone manche Wartezeit etwas weniger langweilig. Ich kann – wenn ich mich auf etwas konzentrieren möchte – das Ding aber auch lautlos und unbeachtet lassen. Haben wir Besuch, bleibt es ebenso still und unangetastet. Wir sollten bei aller Annehmlichkeit, die die smarten Telefone und Tablets haben, eines nicht vergessen. Das reale Leben. 😉

Wie seht Ihr das?
Ist die „extreme“ Nutzung von mobilen Telefonen und Tablets normal und unserem Zeitalter geschuldet? oder
Nehmt Ihr es weniger extrem wahr?
Gibt es das Abschotten per Smartphone?
Ist die Smartphonisierung einfach normal?
Wollt Ihr ständig erreichbar sein? oder
Leistet Ihr Euch bewusst Handyfreie Momente?

Ich lade Euch herzlich ein, Euren Standpunkt zu sagen.

8 Kommentare

  • Hallo Hans,
    natürlich habe diese technischen Geräte ihre Vorzüge. Aber es nervt mich total, wenn jemand beim Essen oder während einer Unterhaltung ständig auf Phone starrt. Unmöglich finde ich auch Leute, die auf der Straße so mit dem Handy beschäftigt sind, dass sie einen umrennen würden, wenn man nicht selber ausweicht. Jede Technik ist eben so gut oder schlecht, wie der Anwender sie benutzt.
    Viele Grüße
    Ann-Bettina

    • Hallo Ann-Bettina,

      herzlichen Dank für Deinen Kommentar.
      Stimmt, die Umgebung und die Menschen sollten Handy-Nutzer schon im Auge haben.

      LG Hans

  • Hallo Hans,
    wenn ich in der Mittagspause in der Kantine sitze, hab ich gerne meine Ruhe. Es hat aber immer Kollegen, die was wichtiges erledigen müssen. Ist nicht schön, wenn man sich mit Menschen unterhält, die immer mit dem Telefon rum machen. An der Eingangstür ist ein Schild, dass Handys verboten sind, aber selbst Abteilungsleiter ignorieren das.

    • Hallo Axel,

      danke für Deinen Kommentar.
      Ohne zu wissen, wie wichtig die Erreichbarkeit der Chefs – während den Pausen – ist, wäre es natürlich grundsätzlich besser, sie könnten Vorbild in Sachen Handy sein.

      HG Hans

  • Ich versteh einfach nicht für was man ein Tablet benötigt?
    ist ja wie ein smartphone nur größer. Es reicht doch ein Smartphone und PC.
    Oder? Tablet-Nutzer können mich gerne eines besseren belehren, mit ihren Argumenten…

    • Hallo Sport Freak,
      ich hab auch ein Tablet, was ich mit einer Tastatur bestücken kann. Das haben wir dann schon mal im Urlaub genutzt, auch wenn wir da grundsätzlich nicht häufig on sein wollen.
      HG Hans

  • Ich bin wohl eine Ausnahme was die Erreichbarkeit betrifft. Denn ich verlege mein Smartphone andauernd und finde/bzw. suche es auch erst wieder Stunden später.
    Klar ist es super, dass man sofort etwas nachgoogeln kann . Trotzdem nervt dieses ständige „Immer erreichbar sein müssen“. Mir persönlich wäre das zu stressig.
    Bei uns zuhause gelten fixe Regeln. Beim Essen hat kein Smartphone auf dem Tisch etwas zu suchen. Essen in der Familie hat was mit Kommunikation zu tun. Und das bitte nur Offline.
    Ganz schlimm finde ich, wenn man in einem Restaurant sitzt und am Nebentisch sitzt zwar ein Grüppchen, aber alle gucken ständig auf ihr Smartphone.
    Hat auch etwas mit Unhöflichkeit zu tun, Als ob mir mein Gegenüber nicht wichtig genug ist, um ihm meine ganze Aufmerksamkeit zu schenken.
    Wie du schon schriebst. Es hat seine Vor- aber auch Nachteile.
    Liebe Grüße
    Nila

    • Hallo Nila,
      danke für Deinen Kommentar.
      Sich in der Familie gewisse Regeln aufzuerlegen, halte ich auch für sinnvoll.
      Es muss ja auch Gelegenheit geben, analog miteinander zu reden.
      HG Hans

Ich freue mich auf und über Kommentare