Gesundheit

Schlaganfall – Der Alltag

Gesundheit - gesundheitliche Themen

Bereits im Krankenhaus nimmt man zur Kenntnis, dass es mit der Akut-Behandlung eines Schlaganfalls nicht getan ist. Maßnahmen und Therapien werden festgelegt. Die REHA lehrt uns manches zum Umgang mit dem Schlaganfall. Der Alltag wird sich ändern. Das Leben und der Lebensstil werden sich zwangsläufig ändern.

Die „Brücke zum Alltag“

In der Reha soll man wieder fit gemacht werden für den Alltag. Man hört immer wieder, dass je früher, desto besser gilt. OK, mit  Physiotherapie und Logopädie hat man bereits schon im Akutkrankenhaus begonnen. Ob es mal ein Vorteil ist, wird sich zeigen. Jetzt nach Krankenhaus und einigen Wochen stationäre REHA muss sich im alltäglichen Wahnsinn zeigen, ob, wie und wann eine Rückbildung der Schlaganfallsymptome zu schaffen ist. Reha soll die körperliche, seelische und soziale Gesundheit wieder herstellen und die Wiedereingliederung in den Alltag gewährleisten.

Ich sag mal so. Ich denke, das Rüstzeug dafür wurde mir im KH und in der Reha mitgegeben. Nun nach einigen Tagen zu Hause kann ich schon mal die ersten Gedanken zum Alltag erzählen. Als Ich das Datum kannte, an dem die stationäre Reha erst mal endet, war das natürlich mit Freude verbunden. Freude nach langen Wochen in Kliniken endlich wieder ins zu Hause zu kommen. Es war aber auch irgendwie ein beklemmendes Gefühl, weil ich gedanklich so im Klinikablauf und den Anwendungen war, als sei das meine „Aufgabe“. Klar, ich war da, um für mich und meine Gesundheit zu sorgen.

Hilfe zulassen ist wichtig und richtig

Ich war aber ehrlich gesagt, auch gut behütet, musste mir  manche Gedanken weniger machen, weil sie Therapeuten anstubsten oder Sozialarbeiter und Berater. Man war auch gut versorgt. Ok, das ging bei mir nicht so weit, dass ich mich nicht selber kümmerte, aber manchen behördlichen Kram, manchen Antrag brauchte ich nur noch unterschreiben. Es war vorbereitet, nach Gesprächen. Man kam auf mich zu, um zu schauen, ob und was ich eventuell an Hilfsmitteln brauche. Die Ansprechpartner waren im Haus und während der Arbeitszeiten immer erreichbar.

Was ist anders?

Es ist so vieles anders, dass dies alles aufzuzählen sicher den Rahmen sprengen würde. Zumindest in einem Beitrag. Essen, Waschen, Duschen, Anziehen ist anders und alleine für mich nicht möglich. Hier momentan Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist schon OK, wenn auch immer noch ein  „fremdes“ Gefühl. Aber was will ich machen.? Das Bein ist noch lange nicht so, wie es sein soll, der Arm hängt so vor sich hin und die Schulter macht teuflische Schmerzen. Ich muss aufs Schlucken achten. Was ich Anfangs für unvorstellbar hielt, entpuppt sich als raue Wirklichkeit. Die wenigen Teppiche in unserer Wohnung können schon Stolperfallen sein.

Manches, was vorher ausreichte, ist nun zu eng. Aber echt, die und die Tür war auch mal viel breiter. Joghurtbecher müssen vorher leichter und handlicher gewesen sein, sonst würden mir die doch jetzt nicht schon mal hinfallen. Und ich bin mir fast sicher, dass die momentan auch viel mehr Sauerei machen, als früher.

Natürlich sind nicht alle sozialen Kontakte weg, aber das meiste beschränkt sich aufs telefonieren. Selbst zum Arzt war ich bisher nur einmal, weil alles andere einem kleinen Abenteuer gleich kommt. Für einen Spaziergang reicht das Vermögen und die Kraft auf den Beinen nicht. Der erste Versuch mit dem Rollstuhl raus zu fahren war ernüchternd bis gruselig. Es gibt einen Kippschutz hinten am Stuhl. Der kommt immer auf den Boden, wenn man versucht an der flachen Stelle des Bürgersteiges runter zu fahren. Gut, das sind 20 Sekunden, um den Kipppschutz temporär ab zu machen.

..ja, wir sann mim Rolli da…..

Da ich mit knapp 1.90 nicht zu den kleinen Menschen zähle, muss der Stuhl auch darauf angepasst sein. Das heißt, dass die Fußstützen entsprechend tiefer sitzen, damit man nicht mit den Knien unterm Kinn im Stuhl sitzt. Auch das ist aber beim überwinden eines Bordsteins hinderlich. Vielleicht sind meine Frau und ich aber auch einfach zu „ungeübt“ richtig mit dem Stuhl umzugehen. Es ist abenteuerlich, und wir haben den Versuch nach 20 Minuten abgebrochen. Das mit der frischen Luft schnappen wird auch überbewertet. Ich kann ja auch die Terrassentür öffnen und den Kopf mal raus halten. da bekomme ich frische Luft genug.

Nein, ich beklage mich nicht. Ich hab noch viel zu lernen. Soweit haben wir erst mal alles für die ambulante Nachsorge eingerichtet und die Therapeuten auch alle kennen gelernt. Gott sei Dank kommen alle ins Haus. Krankengymnast, Ergo, Logopädin, alle soweit schwer in Ordnung, und man kann denk ich mit ihnen arbeiten und hoffentlich was reißen. Pflegedienst ist auch eingetütet. Und glücklicher Weise haben wir mit ~ 7:30 ein Zeitfenster erwischt, was super ist. Das ist alles andere als selbstverständlich, da die meisten Patienten morgens gewaschen und gepflegt werden wollen. In der Reha sagte man uns. Sind sie froh, wenn jemand gegen 11:00 kommt. Nä, da wäre ich natürlich nicht froh, aber jetzt bin ich froh, dass es so hinhaut. Auch vom Pflegedienst bekommt man schon mal ganz brauchbare Tipps und Hinweise.

Und schließlich

OK, so lange bin ich ja noch nicht zu Hause, aber die ersten Eindrücke sind ernüchternd. Das soll und muss nicht so bleiben, aber, dass, was einem in der Klinik so gesagt wird, hat mitunter nicht viel mit dem zu tun, was ich gerade erlebe. Ich will manchmal zu schnell zu viel. Zugegeben. Erst gestern bremste meine Logopädin mich, und meinte, zu viel üben könne eher schädlich sein, weil es die betroffenen Partien mehr ermüden könne, als stärken. Ok, ich mach ein wenig mehr Gemach. Zumindest versuche ich es. Ich versuche auch, so gut als möglich manchen Leuten die „Angst“ zu nehmen möglicher Weise selber einen Infarkt zu erleiden. Kürzlich hab ich – nch Recherchen – erst erfahren, dass es in unserer Familie bereits 8 Fälle gab. Leute, macht Euch nicht verrückt. Eine gesunde Lebensweise, und dazu zähle ich auch positives Denken. Mehr kann man doch nicht machen. Bleibt mal schön gesund und fröhlich.

Es steht zu befürchten erwarten, dass ich weiter Bericht erstatte. In diesem Sinne. Was würde ich eigentlich ohne eine verständnisvolle Frau machen, die immer schaut, ob und was sie für mich machen kann und soll? Ich sag es ihr immer wieder mal: Danke.

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8 Kommentare

  • Moin Hans,

    ich finde es interessant zu lesen, wie so eine Erkrankung sich auf das normale Leben auswirkt. Als nicht Betroffener kann man sich das wohl kaum in allen Details vorstellen. Daher sind Deine Berichte darüber wirklich gerne gesehen und ich „befürchte“ keine weiteren sondern erhoffe diese. 😉 Natürlich immer verbunden mit den Wünschen an Dich, das sich so manche Beeinträchtigung mit der Zeit legen bzw. bessern wird.

    LG Thomas

  • Hallo Thomas, ich konnte mir manches als Betroffener nicht vorstellen. Oder meine Vorstellungen, und das, was sich nun zeigt, waren nicht deckungsgleich. Ich sehe es teilweise sportlich und nehme die Herausforderung mal an. HG Hans

  • Hallo Hans,
    freut mich, dass Du wieder zu Hause bei Deiner Familie bist. Ich kann mir vorstellen, dass es eine große Umstellung ist nach dem geregelten Klinikalltag. Ich freue mich über Deine Berichte, weil es zeigt, dass Du Deine Leidenschaft zu bloggen nicht aufgegeben hast.
    Weiterhin viel Mut und Kraft im Alltag.
    Viele Grüße
    Claudia

  • Hallo Claudia, danke für Deinen Besuch und Dein Feedback. Gott sei Dank ist mir die Leidenschaft und Lust am Bloggen geblieben, obwohl das einhändige Schreiben schon doof ist. Aber, damit das nicht immer so bleibt, übe ich ja wie verrückt.
    HG Hans

  • Hier in der Reha gibt es viele Schlaganfallpatienten, weil die Klinik auch noch eine neurologische Abteilung hat. Und es macht eine Freude zu sehen, wie viel sich nach den 3 Wochen Aufenthalt, die ich jetzt hatte, bei diesen Patienten besser geworden ist.
    LG
    Sabienes

  • ich bin auch Jahrgang 61 und hatte im märz dieses jahr einen Schlaganfall. seit anfang September bin ich wieder zuhause. ich kann inzwischen kleinste spaziergänge machen. mit einem stock und einer Begleitung. das leben ist ein ganzes stück mühsamer geworden.
    ich bin heute auf deine seite gestoßen und war bestimmt nicht zum letzten mal da.
    vielen dank für deine Ermutigung.
    christa

    • Hallo Christa,
      herzlich Willkommen und danke für deinen Kommentar. Das ist aber doch schon toll, dass es mit Stock und Begleitung schon etwas geht. Ja, es ist mühsamer. Manches lernt sich und wird routinierter. Machst du Ergotherapie und/oder Krankengymnastik weiter? Ich wünsche dir von Herzen, dass es immer etwas besser wird.
      Einen herzlichen Gruß
      Hans

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