Alltag

Nichtstun – darf man das?

Wie ist das denn? Ist es in Ordnung auch einfach mal nichts zu tun? Oder geht das gar nicht? Tut uns eine schöpferische Pause mal gut, oder vertun wir wertvolle Zeit? Unser Bauch wird uns vermutlich sagen, dass eine Auszeit – und sei sie noch so klein – gut für uns ist. Oder nicht? Mal eine Pause einlegen, mal zur Ruhe kommen. Das muss doch sein?

Bevor ich mal daran gehe zu erörtern, wie sich das für mich gestaltet, und bevor ich versuche zu klären, was denn Nichtstun ist, will ich es nicht versäumen zu erzählen, dass diese Überlegungen ein Beitrag zur Blogparade: Nichtstun – Fluch oder Segen ist. Initiator ist Herr Einzel vom Blog einzelpfad. Und er stellt die ein oder andre anregende Frage.

Also zunächst müsste man dann mal definieren was Nichtstun ist. Geht das denn überhaupt? In der Kommunikation sagt man ja, dass man nicht nicht kommunizieren kann. Ist das in der Nichtstuerei ähnlich?

Wenn man still auf seinem Sessel sitzt und seine Gedanken einfach mal schweifen lässt. Ist das Nichtstun? Wenn man meditiert? Wenn man schläft? Wäre man jetzt notorischer Korintenkacker, müsste man sagen, das alles sind ja Tätigkeiten, also tut man ja was. Das geht gar nicht, nicht zu tun, und eigentlich tun wir immer und jederzeit etwas. Sitzen, dösen, denken, planen, gucken, beobachten, wahrnehmen, atmen, träumen, schlafen, abschalten………

Also rein wissenschaftlich? oder biologisch gesehen wird es nicht möglich sein nichts zu tun. Aber ich will ja kein Korintenkacker sein. Und daher schaue ich mal ob die schöpferischen Pausen OK sind? Ja, sind sie. Ich halte sie sogar für existentiell wichtig. Irgendwann muss man ja seinen Akku mal wieder aufladen um neuen Strom für neue und wichtige Aufgaben zu haben.

Unsere Lebenszeit ist ein kostbares Gut. Sie immer sinnvoll zu füllen und zu leben ist nicht immer einfach. Ich kenne Leute, die sagen, es sei vergeudetet Zeit nichts zu machen. Ich persönlich sehe das etwas anders. Alles wird immer schneller und rasanter, und wir unterliegen manchmal fast schon dem Zwang, da immer mitzuhalten. Daraus entsteht dann auch mal  eine Hektik, die mir persönlich nicht gut tut.

Im Nichtstun bleibt nichts ungetan [Laotse, 6. oder 4. – 3. Jh. v. Chr.]

Ein Innehalten heißt also nicht zwangsläufig, dass man nichts tut. Man sammelt neue Kräfte, man tankt neue Energie, neue Ideen, neuen Mut. In unserer Gesellschaft mag es hier und da so sein, dass man dieses Innehalten gleich setzt mit Faulheit, und manch einer bekommt gar Schuldgefühle, weil er sich seine Auszeit nimmt. Irgendwie muss man sich doch beschäftigen. Warum?

Freiräume müssen sein. Und sie müssen nicht zwangsläufig mit „Aktivitäten“ verbunden werden. Immer nur unter Strom zu stehen kann doch nicht gut sein für unsere Gesundheit.

Entspannung oder verlorene Zeit?

Entspannung ist für mich wichtig. Als jemand, der mit chronischen Schmerzen lebt, sogar sehr wichtig. Sie ist keine verlorene Zeit. Sie ist Gewinn. Druck ablassen bedeute, dass auf der anderen Seite neue Energie gewonnen wird. Pausen sind Dünger für schöne Erfahrungen und Erlebnisse.

Tut ihr ab und zu auch mal nix? Oder vielleicht ein bisschen nix? Würdet ihr gerne (öfter)?

Ja, tut ich, so oft wie möglich. Dafür musste ich ein Gespür entwickeln, und selber sehen, wie oft und wie lange es möglich ist. Ich bin kein fauler Mensch. Ich weiß aber mittlerweile, dass ich meine persönlichen Auszeiten und Oasen brauche. Und ich finde, niemand muss sich da rechtfertigen und schon gar nicht ein schlechtes Gewissen haben, weil er sich diese Zeit für sich nimmt. Eine Zeit, auf sich aufzupassen und auf sich zu achten.

Soweit mal einige Gedanken dazu, die ich mit einem weiteren Zitat abschließen möchte

Gönne dir einen Augenblick der Ruhe und du begreifst, wie närrisch du herumgehastet bist. Lerne zu schweigen und du merkst, dass du viel zu viel geredet hast. Sei gütig und du siehst ein, dass dein Urteil über andere allzu hart war. [Chinesische Weisheit]

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein gutes Gespür, wann ihr euch eine Auszeit nehmt und einfach mal nichts tut. Und wenn ihr gerne den einen oder anderen Gedanken hier lassen wollt – wozu ihr natürlich sehr herzlich eingeladen seit – dann freue ich mich darauf.

10 Kommentare

  • Hallo Hans,
    ich finde es einen sehr gefährlichen Trend, immer etwas tun zu müssen, möglichst auch die Freizeit noch optimal zu verplanen. Das Ergebnis sind dann massenhafte Burnouts und psychosomatische Störungen. Man braucht einfach mal Auszeiten. Ich schaue auch immer, dass ich die bekomme. Allerdings habe ich durch meinem Hund da auch tatkräftige Unterstützung 😀
    Viele Grüße
    Ann-Bettina

    • Hallo Ann-Bettina, jo mein Reden. Ohne seine Auszeiten kann der Mensch irgendwann krank werden. Wir haben übrigens auch schon mal dran gedacht einen Hund anzuschaffen. Irgendwie sind wir davon ab gekommen.
      Lieben Gruß Hans

  • Nichts zu tun gehört zu meinen absoluten Lieblingsbeschäftigungen! Ich genieße es von Herzen, einfach auf meinem Sofa zu liegen und die Gedanken schweifen zu lassen … und ich weiß, wenn ich mir diese Zeit für mich nicht nehme, dass es mir nicht so gut geht, wie normalerweise 🙂

    Lilebe Grüße, Rena

  • Hallo Rena, da hast Du vielen etwas voraus. denn manche Menschen wissen vor lauter Hektik und Tun gar nicht, was ihnen gut tun könnte. Gedanken schweifen, und Seele baumeln lassen finde ich auch gut.
    HG Hans

  • Hallo Hans, toller Artikel und ich sehe es auch so, dass man hin und wieder auch eine Pause braucht. Ich habe zwar durchgehend im Netz zu tun und bin stets beschäftigt, sobald ich mich an den Schreibtisch setze.

    Aber sich mal zurückzulehnen und einfach mal nur nachdenken, mache ich auch gerne. Ich glaube, dass Blogger meistens etwas tun, sei es auch nur Grübeln über den nächsten Artikel oder darüber welches Blog man als nächstes besuchen möchte.

    Nichtstun kann auch viel helfen und lässt ein wenig aufatmen und sich selbst widmen. Ich bin dafür :)!

  • Hallo Alex, danke für dein Feedback, und im Endeffekt sehe ich das „Nichtstun“ auch als etwas für sich tun, also sich um sich kümmern, an.
    HG Hans

  • Hallo Hans,

    habe es jetzt tatsächlich auch geschafft, Dir zu schreiben. Dein Artikel ist schön geschrieben mit persönlicher Note über Hektik, die Dir nicht gut tut und der nötigen Aufmerksam zu sein, um auf sich zu achten. Aber am besten finde ich das Zitat:

    Pausen sind Dünger für schöne Erfahrungen und Erlebnisse.

    Dem möchte ich zustimmen: nur powern, körperlich, mental, dem Ergebnis unterworfen ohne Rücksicht auf (eigene) Verluste, das macht irgendwann krank und unglücklich.

    Wohl dem, der sich das (die Pausen) leisten kann. Denn, bedauerlicherweise können manche Zeitgenossen und -genössinnen nur so ein Duracell-Leben führen, wenn die Umstände dies einfordern.

    Wenig Hektik und Gesundheit wünscht

    Einzel

  • Servus und grüß Dich Herr Einzel. Danke für Deo9in Feedback. Manchmal muss es auch stressig sein, aber so ganz ohne Ruheinseln ist ungesund. Ich musste das übrigens auch erst mal erlernen, dass ich mir die Pausen nehmen „darf“ und muss. Eben auch mich achten muss. Auch Dir eine gute Zeit
    HG Hans

  • Hallo Claudia, und danke für dein Feedback.
    Vielleicht sollte man „Nichtstun“ mit „sich um sich kümmern“ ersetzen, denn ich definiere es so, dass ich mit Nichtstun etwas für mich tue. Aber so richtig Nichtstun gelingt ja auch eher selten. Aber so ein paar Minütchen jeden Tag sollte man im ureigenen Interesse schon versuchen 😉
    LG Hans

Ich freue mich auf und über Kommentare