Rund um Internetforen

Internetforen – mögliche Gefahr – Beratung

Internetforen - Diskussionsforen

Wie passt das zusammen: Internetforen – mögliche Gefahr: Beratung? So ziemlich jedes Thema, was uns im Leben begegnet, wird auch in Internetforen besprochen. Man beschafft sich Informationen, holt sich Ratschläge und liest eines der zahlreichen Tutorials. Man möchte eine Lösung.

Foren sind super für Informationen. Man erfährt sicher das eine oder andere, was man sonst nicht wüsste. Man wird nicht selten unvoreingenommener beraten, als in einem Geschäft, wo für den Verkäufer der Verkauf eines Artikels vordergründig ist. Aber da, wo man Nutzen zieht, können sich natürlich leider auch Gefahren verbergen. Wie nützlich und hilfreich sind die Foren also? Ich möchte in diesem Beitrag auf mögliche Gefahren hinweisen und Punkte aufzeigen, die einem beim Beurteilen helfen können.

In weiteren Beiträgen gehe ich auf weitere Gefahrenquellen ein, wie Suchtpotential und Realitätsverlust. Ich beschränke mich heute etwas auf das Thema „Beratung“ und Hilfe. Ich schreibe hier meine persönliche Meinung und Erfahrung. Ich darf, kann und will keine Rechtsberatung leisten.

Gefahrenstelle Forum

Wie gesagt, fast alle Themen werden auch in Diskussionsforen besprochen. Sei es die Gesundheit, Reisen, Tiere, Technik, Sex, Balkon & Garten oder Autos und Motorräder. Interessierte Nutzer kommen nicht selten über eine Suchabfrage in ein Forum. Im besseren Fall wurde ihm ein Forum empfohlen. Durch Empfehlung minimiert sich die Gefahr falscher Infos schon etwas.

Wir kommen also in das Board und können in den jeweils besten Bereichen unsere Frage stellen, oder unser Problem schildern. Je nach Forum erhält man schnell eine Antwort, einen Ratschlag oder Tipp. Wie verlässlich und hilfreich sind aber solche Problemlösungsvorschläge?

Neben dem Vorteil einer raschen Reaktion auf unser Anliegen – und das 24/7 – liegt ein weiterer Vorteil in der Vielfältigkeit der Antworten. Die User, die Erfahrungen ähnlicher Art gemacht haben, können eine Lösung des Problems also beschleunigen. Natürlich können viele Antworten aber auch verunsichern, so sie unterschiedlich sind. Hier gilt es, gut filtern zu können. Und: Die Antworten und Lösungsansätze können schlicht ohne Nutzen und falsch sein.

Gefahrenstelle Forenuser

Im Schutzmantel der Anonymität, die man in Internetforen meist hat, kommen gerne auch mal Pseudo-Experten, Hobby-Psychologen und Möchtegern-Ärzte zum Vorschein, die bei Goggle ihr „Abitur gemacht- und bei Wikipedia studiert haben. Und theoretisch können die Experten auch (gefährliches) Halbwissen oder Unfug verbreiten. Mögliche Konsequenzen müssen nicht unbedingt erwartet werden. Die Unterhaltung im Forum wird ohne sich in die Augen schauen zu können, gerne auch mal etwas ruppiger. Besonders, wenn jemand einen Zweifel an der  Aussage äußert, geraten solche Gespräche auch mal aus der Bahn.

In Foren kann jeder schreiben was er will. Wenn ein Bäcker etwas über Schiffsbau schreibt ist das nicht schlechter oder besser als wenn ein Koch etwas über Archäologie schreibt. Einige Foren-Nutzer führen sozusagen ein Doppelleben. Im real life sind sie lammfromm und freundlich; im Internet geben sie dann auch schon mal den Troll, die Sockenpuppe, den Flamer, Hater oder machen sich eben zum Experten, dem zwar ein extrem „schauspielerisches“ Talent mitgegeben wurde, dem es aber am Wissen an sich fehlt.

So unsinnig es zunächst mal scheint, so möglich ist es aber, dass Wissen und die Erfahrungen nicht vorhanden und vorgespielt sind. Es gibt in der Tat Forenuser, die sich gerne ins Rampenlicht stellen und den Experten mimen. Ist doch ein tolles Gefühl, wenn man als hochqualifizierter und extrem kompetenter Fachmann da steht. Es gibt manche User, die mit nutzlosen Beiträgen ihr substanzloses Halbwissen verbreiten. Und am liebsten möchte man dann auch in den Status  des halbgöttlichen Professors erhoben werden.

In manchen Foren mag das wegen des Themas vielleicht ärgerlich, aber nicht gefährlich sein.  Anders sieht es aber in Foren aus, wo es bsp um gesundheitliche oder rechtliche Themen geht. Da könnten fragwürdige Ratschläge oder angebliche Erfahrungen schon Schaden anrichten. Gerade als Neuling unterliegt man der Gefahr der Fehlberatung. Teils auch, weil man sich nicht „traut“ kritisch zu hinterfragen

Gefahrenstelle Gesundheitsforen

Wer noch ohne Internet aufgewachsen ist, kennt es noch, dass man zu der Zeit „unvoreingenommen“ zu seinem Arzt ging und sich behandeln ließ. Wir gingen noch als Patient zum Arzt und vertrauten ihm. Sich zu informieren war gar nicht bis nur schwer möglich. Behandlungsmethoden zu überprüfen, war beschwerlich. Sich Alternativen zu recherchieren war auch nicht so leicht, wie heute. Zudem waren es oft schwierige Fachpublikationen, die es erst mal zu verstehen galt.

Da ist es doch heute um ein vielfaches leichter. Es ist doch zunächst mal toll, dass es zahlreiche Foren gibt, wo man das nötige Wissen einigermaßen verständlich bekommt. Gerade in Diskussionsforen stößt man auf Alternativen in einer Behandlungsform. Je größer unsere Selbstzweifel und Zweifel sind, ob eine Methode Erfolg verspricht, desto mehr informieren wir uns.

Manchmal könnte darüber vergessen werden, dass es gerade in Gesundheitsfragen wichtig ist, auf den Mensch in seiner Einzigartigkeit und die individuelle Behandlung zu achten. Was dem einen hilft, kann dem anderen keine Linderung bringen. Diese individuelle Sicht kann meines Erachtens in einem Forum nicht gegeben werden. Das zu wissen mindert mögliche Gefahren.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?

Was versierten Internet Nutzern möglicherweise leichter fällt, ist für Noobs nicht ganz so leicht. Den ein oder anderen Punkt gibt es aber, um Pseudo-Fachleute zu enttarnen. Bei der Suche nach einem geeigneten Forum kann man schon im Vorfeld das ein oder andere beachten. Nicht immer gerät man an sehr bekannte und etablierte Communitys: Gerade im Selbsthilfebereich sind oft Laien, die sich da engagieren und sie sind oft die wahren Experten, weil nur sie als Betroffene können Erfahrungen aus erster Hand weiter geben.

  • Wer verbirgt sich hinter dem Forum? Ein Blick ins Impressum und/oder einen „über uns“ Bereich wird schon einen ersten Eindruck verschaffen. Ein seriöser Forenbetreiber wird ein wasserdichtes und vollständiges Impressum haben. Etwas Recherche im Internet wird auch nicht falsch sein.
  • Gibt es eine gute Moderation? OK, die Qualität der Moderatoren lässt sich nicht immer auf die schnelle erkennen. Zu wissen, es wird überhaupt aktiv moderiert, erhöht das Vertrauen in die Plattform aber schon. Bleiben fragwürdige Inhalte bestehen, könnte eine Portion Skepsis durchaus angebracht sein.
  • Wer schreibt? Man kann sich über das Profil auch ein erstes Bild über den User machen. OK, das geht in vielen Foren erst nach der Registrierung, bei anderen kann man aber auch als Gast einen Blick in das Nutzerprofil werfen. Von dort aus lassen sich auch Beiträge des Nutzers aufrufen, die eine grobe Einschätzung erlauben. Wie oft schreibt er? Wie sind die Feedbacks? Ist die „Linie des Nutzers gerade“? Versucht er durch gezielte Rückfragen ein Problem einzugrenzen und die Lösung verlässlicher zu machen? Hat das, was er schreibt Hand und Fuß? Nennt er ggf vertrauenswürdige Quellen?
  • Wenn die Problemlösung oder die Antwort auf Fragen etwas Zeit hat, kann man erst mal eine Weile mitlesen und sich einen Eindruck verschaffen.
  • Bei Zweifeln an der Seriosität von Aussagen oder Antworten ist es ratsam, den User nach seiner Quelle zu fragen. Je nach Art der Quelle, sollte man sich ruhig an andere Foren-Nutzer wenden.

Speziell als Forenbetreiber sollte man sich immer bewusst sein, dass Gespräche im Forum die User psychisch sehr belasten können. Auch jene Foren-Nutzer, die eigentlich nur helfen wollen. Beim „helfen wollen“ nimmt man sich das Schicksal des anderen oft zu Herzen. Im schlimmen Fall kann der Helfer selber psychisch krank werden. Der Druck, die Verantwortung, die auf einem lasten kann als Admin, kann schon sehr stark sein. Man muss sich dessen zumindest bewusst sein.

Man sollte sich auch mal fragen: Kann das Forum mit seinen Usern andere Nutzer schützen? Kann man als Administrator und Helfer Abstand wahren, die Probleme der anderen nicht zu sehr an sich heran lassen?

Das Internet ist schon ein Segen, kann aber auch Gefahrenquelle sein. Somit eben auch Diskussionsforen. Ich kann und will Foren gar nicht schlecht reden. Eine große Zahl ist sicher zuverlässig und empfehlenswert. Aber eine gute Portion Vorsicht ist auch immer mal angebracht. Manche Beiträge eignen sich nämlich nicht dazu, einen realen Blick auf Tatsachen zu bieten. Gerade in Foren darf manches gar nicht gesagt werden, damit es nicht möglicherweise als Gesundheits- oder Rechtsberatung gilt. Ein Bild, was man sich als Foren-Patient (Foren-Klient) machen möchte, bleibt öfter auch unvollständig.

Auch über das Internet lassen sich vertrauliche Beziehungen aufbauen. Meiner Meinung nach kann das Netz die Vertrauensbasis aber nicht erreichen., die real fazitzwischen Arzt und Patient besteht. Das gilt gleichermaßen für Anwalt und Mandant und Kunde und Fachmann. Persönliche und vetrauliche Daten sollten in Foren ja nichts zu suchen haben.

Nochmal: Ich finde das Internet und Foren toll. Sie erleichtern uns vieles. Wenn wir uns auch um die möglichen Gefahren Gedanken machen und nicht zu blauäugig sind, dann können Foren schon eine tolle Informations-Plattform  Erfahrungsaustausch sein. Gerade auch für ältere Menschen, die ansonsten wenig reale Sozialkontakte haben.

Wie seht ihr das?
Welche Gefahren bergen Internetforen?
Können sie echte Beratung leisten?

7 Kommentare

  • Hallo Hans,
    da hast Du ein interessantes Thema aufgegriffen. Ich denke, dass das Internet eine gute Plattform ist, um sich zu informieren, was ein Vorteil ist. Aber es gibt auch Nachteile wie Abhängigkeit, Sucht und falsche Informationen. Da liegt es in der Verantwortung von jedem, zu filtern, vergleichen, beurteilen, ob die Information glaubwürdig und richtig ist. Bei einer Frage, die z. B. ein Arzt oder Anwalt beantworten müsste, würde ich das Internet aber nur verwenden, um mich zu informieren und dann besser vorbereitet zu sein für ein Gespräch im echten Leben. Es gibt aber auch Fälle, wo Kunden durch das Internet besser informiert sind als diejenigen, die ein Produkt oder einen Service verkaufen, weil manche Anbieter nicht mit dem Fortschritt/der Zeit mitgehen und entsprechende Änderungen durchführen.
    Viele Grüße
    Claudia

    • Hallo Claudia,
      danke herzlich für dein Feedback. Ja es gibt sehr viele gute Plattformen und es ist nicht immer so leicht einen „unseriösen“ Rat direkt zu erkennen. Aber mit der nötigen Achtsamkeit sollte es gelingen.

      Ich finde, dass gerade Selbsthilfeforen voll mit lauter Fachleuten sind. Nein keine Ärzte, sondern jene Menschen, die ähnliches mitgemacht haben und Erfahrungen weiter geben können.

      Auch ich gehöre immer öfter zu den Menschen, die manches im Internet kaufen, da die Auswahl viel größer ist. Manchmal erkundige ich mich auch vorher in einem Forum. Und glücklicherweise gibt es ja genug seriöse und kompetente.
      HG Hans

  • Hallo Hans,

    Foren sind schon eine speziele Spielwiese, hier kann man nur abwägen was gut ist und was nicht. Ein Risiko was man so leicht nicht bedenkt, wenn man ein Forum besucht ist, was passiert mit meinen Daten. Bei vielen Foren muss man sich registrieren, um sie richtig nutzen zu können. Hier stellt sich die Frage wer hat da meine Daten und was kann er damit machen. Oder was passiert wenn wieder mal ein Forum gehackt wird. Die Sicherheit grad bei schlecht gewarteten Foren lässt zu wünschen über.
    Dank deines Beitrags habe ich mich dann auch gleich aufgemacht und einen Beitrag zu Persönlichen Daten im Forum verwenden verfasst. (link habe ich nicht eingesetzt, falls du Lust hast kannst ihn ja noch einbauen.)
    MfG
    Michl

    //edit Hans: hier der Link//
    Gefahrenquelle Persönlichen Daten im Forum

    • Huhu Michl,
      in der Regel hat die Daten doch nur der Admin. Es sei denn, es wäre so groß, dass mehrere Admins da sind. Ein seriöser Admin wird mit deinen Daten verantwortungsvoll umgehen. Und er wird hoffentlich dafür sorgen, dass die Sicherheit gewährleistet ist. Gut auch da muss man schauen, dass man an den richtigen gerät. Also: Augen auf im Forenverkehr 😉 Für Foren und andere Web-Dienste kann man sich ja eine extra Mail-Adresse einrichten. Nur bitte keine Wegwerfadressen.

      Deinen Link füge ich ein 😉
      Danke und HG Hans

      • Danke für die Verlinkung, leider habe ich es am eigenen Leib schon erlebt wie eine dieser E-Mail Adressen versucht wurde zu missbrauchen. Bei meiner Arbeit kam das häufiger vor das ein Kunde in die Misere gerät.

        In normalen Foren kommt es eigentlich nicht vor, aber es gibt halt immer schwarze Schafe.

  • Sehr guter Artikel Hans!

    Ich liebe ja Foren, nutze sie viel und oft um Problemlösungen für viele verschiedene Fragen zu finden und das oft sehr erfolgreich. Für mich sind Foren ein unerschöpflicher Quell des Wissens.

    Aber, man muss schon die Qualität von Foren und den Beiträgen dort manchmal skeptisch gegenüber stehen. Im Laufe der Jahre bekommt man aber einfach ein Auge dafür, welche Beiträge einem helfen können oder welche einfach nur Unsinn sind.

    LG Thomas

    • Hallo und danke Thomas,
      ich traue mir auch zu, nach einiger Zeit und einigen Beiträgen, abschätzen zu können, ob Qualität und Seriosität da ist. Aber gegen ein wachsames Auge sollte grundsätzlich ja mal nichts sprechen.
      LG Hans

Ich freue mich auf und über Kommentare