Rund um Internetforen

Gefahrenstelle Diskussionsforum – Foren-Team und Grundsätzlichkeiten

Internetforen - Diskussionsforen

Ein Internetforum ist Anlaufstelle für fast alle Themen, die uns im Alltag begegnen. Und diese alltäglichen Themen locken selbstverständlich alle möglichen Menschen aus allen möglichen gesellschaftlichen Schichten und aus allen Altersgruppen an. Ebenso sind natürlich auch alle Bildungsgruppen vertreten.

Soweit so gut. Was hat das nun mit dem Foren-Team zu tun und und welche Grundsätzlichkeiten sind im dem Zusammenhang gemeint? Dass möchte ich euch in diesem Beitrag, aus der kleinen Artikelserie rund um mögliche Gefahren in Diskussionsforen, schildern. Es sollen Grundsätzlichkeiten angeschnitten werden wie: Anonymität, Bildungsstand, Altersunterschied und schließlich – wie im Titel bereits gesagt – das Forenteam.

Das Alter

Jetzt wird man sich möglicherweise sagen, dass das Alter in einem Forum keine Rolle spielt. Das ist teilweise aber trügerisch. Das kann funktionieren. Im realen Leben können Erwachsene auch nicht mit jedem Kind oder Jugendlichem. Warum sollte das in einem Internetforum anders sein. Jemand, der 50 Jahre alt ist, schreibt nun mal anders, als ein 15-jähriger. Das kann im Laufe der Zeit zwangsläufig auch zu Schwierigkeiten führen. Ich hätte vor einigen Jahren in die Richtlinien eines Forums immer geschrieben, dass jeder Willkommen ist, egal welchen Alters. Heute mit ein paar Jahren Erfahrung würde ich diesen Passus zumindest nicht mehr so populär machen.

Junge Menschen haben mitunter einen lockereren Schreibstil als ein älterer. Vermutlich werden beide Seiten ihren Stil als den richtigen reklamieren. Es kommt irgendwann also vielleicht nur der Form wegen zu Ungereimtheiten. Wenn es um eine Meinungsverschiedenheit geht,  argumentiert ein älterer User meist ausschweifend ausführlich und begründet sein Statement nicht selten mit seiner Lebenserfahrung, die dem jungen Menschen ja noch fehlt. Manchmal – sorry liebe jungen Menschen – haben die Teens eine Neigung, ein solches Gespräch, beziehungsweise den Gesprächspartner in die Schublade „Arroganz“ zu stecken. Eventuell macht das der junge User in seiner Jugendsprache so a la: Ey Alda, bleib mal geschmeidig. Ich hab voll die Peilung LOL.

Die Gefahr besteht durchaus, dass es schon mal schwierig werden kann.

Ich betone: Es gibt viele jugendliche User, die klug und freundlich schreiben. Die sich zu benehmen wissen.

Es gibt auch viele ältere User, die mit einem Schnellzug durch die Kinderstube gerast sind und die sich im Erwachsenenalter hinter einem Pseydonym verstecken und gerne den Troll geben. Es gibt also auch manche, die sich nicht zu benehmen wissen.
siehe dazu auch: Gutes Benehmen und Netiquette

Ich finde es ein Nogo, wenn ältere Nutzer meinen, nur auf Grund ihres Alters einen Sonderstatus einfordern zu können und jegliche Meinung von jungen abzuschmettern. Auch ein jüngerer Foren-Nutzer hat grundsätzlich Respekt verdient.

Die Anonymität

Och näää, das leidige Thema. Anonymität. Sie ist natürlich einerseits ein großer Segen, denn man möchte und sollte mit seinen Daten natürlich achtsam umgehen. Schauen wir uns mal Pros und Contras der Anonymität an.

Zeiten ändern sich und so hat sich die Zeit von Beginn des Internets bis heute ja auch gewaltig gewandelt.

  • Heute kennen wir Shitstorms, Online-Petitionen und Mobbing.
  • Soziale Netzwerke lechzen nach Daten und manch einer spekuliert darauf Nutzerdaten zu ver€uronen.
  • Ein zeitloser Raum, der nichts vergisst bietet natürlich auch Menschen Gelegenheit, sich ein Bild über jemanden machen zu können. Was man zu Hause bei einem Bier sagt, dass bekommt ein potentieller Arbeitgeber ja nicht mit. Welche Meinung man vertritt, lässt sich im Internet leicht recherchieren, so sie online vertreten wurde.
  • Wenn ich in der Kneipe über die Politik und Frau…… schimpfe, dann ist das evtl.. am anderen Tag schon wieder vergessen. Das Internet vergisst nichts.
  • Ein Stimmungs- oder Meinungswechsel ist dadurch auch schwerer.
  • Unter dem realen Namen würden Diskussionen möglicherweise weniger werden, da sich viele scheuen würden ihre Meinung so offen darzulegen.
  • Es wird mehr beleidigt.

Für die Verwendung von Klarnamen spricht:

  • Es wird gesitteter, anständiger diskutiert. Man pöbelt nicht so ohne weiteres.
  • Man wird weniger Trolle haben, denn gehatet und geflamt wird ja eher im Schutze der Anonymität.
  • Eine Qualitätssteigerung in den Beiträgen ist denkbar.

Es gibt noch mehr Argumente dafür und dagegen? Teilt sie doch gerne mit uns.

Aus der Sicht eines Foren-Administrator würde ich mir manchmal die Klarnamenpflicht wünschen, weil die Hoffnung groß wäre, dass sachlicher diskutiert würde. Warum sollte es in Foren nicht funktionieren. Das eine oder andere zeigt ja, dass es möglich ist. In der Blog-Szene ist es schon lange ein Teil der „guten Sitte“.

Die Gefahr mit offener Identität für andere zu gläsern zu werden ist leider gegeben. Ob die Gefahr eines Missbrauchs der Daten so groß ist, möchte ich fast etwas bezweifeln. Klar ist es ratsamer, sich im Internet zu benehmen, aber genau das ist ja auch wünschenswert, 😉 denn die Gefahr sich Trolle, Flamer und Hater an Board zu holen, ist leider gegenwärtig.

Bildung

Ein Forum mit Menschen selben Bildungsstandes wird vermutlich weniger Zank erleben. Mir persönlich macht es durchaus auch viel Spaß mit jungen Menschen zu diskutieren und mal ihre Sichtweise zu hören. Es mag grundsätzlich aber doch einfacher sein, eine gehaltvolle Diskussion mit Menschen ähnlichen Wissensstandes zu führen. Es gibt sogar Foren, die haben Qualitätsrichtlinien. Diesen Ansprüchen gerecht zu werden, kann schon mal kernig sein. Man sollte dies auch nicht als „arrogant“ betrachten. Es wird so eher gewährleistet, dass sich hauptsächlich User anmelden, die zu diesem speziellen Thema, das Basiswissen mitbringen.

Immerhin ist es möglich, dass Missverständnisse auftreten, weil eine „Sprache“ (Forensprache. Jugendsprache) verwendet wird, die nicht jeder versteht. Es mag Gruppen geben,  für die es ein Sport ist Satzzeichengebrüll anzuwenden oder gerne laut zu schreiben. Ich gestehe, mich nervt die multiple Verwendung von Satzzeichen!!!!!!!!!! ebenso wenn Großschreibung (auch) am satzanfang ausgelassen wird, um schneller schreiben zu können (Chatsprache). ANGEBRÜLLT MÖCHTE ICH ABER AUCH NICHT WERDEN. siehe dazu: Rechtschreibung und Groß und Kleinschreibung in Foren

Belesene, erfahrenere (gebildetere) Menschen nervt diese Schreibform leichter. Allerdings wird man umgekehrt von den Forensprache-Anhängern gerne auch mal als Spießer angesehen. Daraus resultiert dann durchaus Raum für Zankereien. Bedenken sollte man bei dem Stichwort „Meinungsfreiheit“ oder „Recht zu schreiben, wie man will“ eines. Wer sich das „?Recht?“ heraus nimmt, die Regeln des guten Benehmens zu missachten, der muss anderen auch das Recht zugestehen, die Post, Diskussion zu ignorieren.

Ich betone: Hier gibt es natürlich hüben wie drüben Ausnahmen.

Nicht alle weniger gebildete sind im Umkehrschluss doof und unanständig. Nicht jeder mit mehr Bildung weiß sich zwingend und ausnahmslos zu benehmen.

Das Foren-Team

Jedes Forum hat vermutlich ein Team, dass mehrere Aufgaben hat. In der Regel werden für das Forum Nutzungsbedingungen da sein, die klar stellen, dass ein höfliches Miteinander und ein „guter Ton“ erwartet wird. Das Team sollte darauf achten, dass auch die hier benannten Punkte ineinander greifen und einen möglichst reibungslosen Ablauf gewährleisten können.. Das Team hat viele Aufgaben. Eine ist es aber sicher, eine einmal eingeschlagene Richtung bei zu behalten und nach außen glaubwürdig zu bleiben.

Das bedeutet für mich, dass eine Regelung oder die Maßnahme für alle gleichermaßen gilt. Als Foren-Admin ist man kein besserer Mensch, aber man gibt die Richtung vor und es schadet nicht ein gewisses „standing“ zeigen zu können. Meiner Meinung nach sollte er daher auch möglichst neutral bleiben und bei Bedarf als Mediator zu fungieren. Und wenn gar nichts geht, dann muss man auch geeignete Maßnahmen treffen.

Und da sollte das gesamte Team auch eine Sprache sprechen und nach außen geschlossen auftreten. Foren-Benutzer freuen sich nämlich mitunter, wenn sie merken, im Team knistert es und man ist da nicht einer Meinung, was die Regeln angeht. Beachten Moderatoren oder Admins die eigenen Regeln nicht, dann ist schnell klar, dass sie ihr Forenhandwerk nicht verstehen.

Man muss ein Forum nicht kaputt reglementieren, aber ohne Richtlinien geht es gar nicht. Regeln müssen sein. Wer als (potentieller) Nutzer meint, damit nicht umgehen zu können, der sollte das Forum konsequenter Weise ignorieren. In seriösen Foren werden aber die Richtlinien nicht so verfasst sein, dass sie einen vergraulen könnten.

Man profitiert als User ja auch von den Regeln, wenn Pöbeleien und Beleidigungen unterbunden werden. Kümmert sich der Admin und sein Team nicht um die Einhaltung des Nutzungsvertrages, macht er sich unglaubwürdig. Und es ist wichtig, die Ruhe und gutes Benehmen zu bewahren.

Es gibt in der Forenwelt Beispiele für gescheiterte Boards wegen einem „schlechtem“ Team. Und zu „schlecht“ zähle ich auch, wenn sich ein Team gar nicht kümmert, oder der große Teil in den Sack gehauen hat und möglicherweise nur ein einsamer Moderator übrig geblieben ist und tapfer versucht zu retten, was (nicht) zu retten ist.

Und schließlich

Einige der hier angeführten Punkte sind sicher etwas „worst case“. Aber so ungewöhnlich, dass sie nie auftreten, sind sie auch nicht. Ein gutes Miteinander ist in Foren ein Drahtseilakt, aber es geht. Wenn man den anderen mir Respekt behandelt: „Ich bin OK, Du bist OK. Wir werden uns schon vertragen.“, dann sollte das auch gelingen.

Wenn man mögliche Gefahren kennt, dann ist man gerüstet für eine gute Zeit in einem Forum. Man ist gerüstet, die schlechten im Vorfeld zu erkennen und zu meiden.

Und ich freue mich über eure Ansichten zu diesem Thema.

Ich freue mich auf und über Kommentare